Zombiefilme und Zombieserien

Derzeit sind Zombies überall: Im Fernsehen wird die Kultserie „The Walking Dead“ ausgestrahlt und darf sich eines Millionenpublikums erfreuen. In diesem Zusammenhang ist es sehr interessant, einmal einen Blick auf die Entwicklungsgeschichte des Zombiefilms zu werfen: Der erste Zombie im Film basierte nämlich auf haitianischen Ritualen. Davon ist das heutige Subgenre des Horrorfilms weit entfernt.

Alles begann mit „White Zombie“

Die ersten Untoten, die wieder zum Leben erweckt wurden, tauchten bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Filmen auf. Mit seinem Film „Das Cabinet des Dr. Caligari“ bewegte sich der Regisseur Robert Wiene erstmalig in diese Gefilde. Allerdings wurde der Zombie als solcher in diesem Stummfilm von 1920 nicht erwähnt. Der Film ist in Akten aufgezeichnet und gilt als expressionistisches Werk, in welchem die Bezeichnung „Somnambule“ verwendet wird – ein Schlafwandler. Der erste Zombiefilm, in dem auch die Bezeichnung Zombie verwendet wurde, erschien im Jahr 1932: „White Zombie“ von Regisseur Victor Halperin greift hier auf haitianische Traditionen zurück: Der Zombie, der mit Hilfe schwarzer Magie zum willenlosen Sklaven gemacht wird. Untote, deren Vitalfunktionen vollkommen heruntergefahren sind und die unter dem Willen ihres Meisters stehen.

Die Geschichte um „White Zombie“ spielt mit Themen wie Liebe und Macht. Es geht um Madeleine und Victor, die ein Paar sind und heiraten wollen. Ihr Freund Beaumont, der auf Haiti lebt, lädt das Paar zu sich ein, um die Hochzeit auf Haiti zu feiern. Er ist allerdings selbst in Madeleine verliebt und lässt sie durch einen Zuckermühlenbesitzer in einen Zombie verwandeln. Der Besitzer kennt sich in dieser Thematik sehr gut aus, denn all seine Arbeitssklaven sind Zombies. Victor bekommt Hilfe von einem Missionar und macht sich mit ihm gemeinsam auf, um Madeleine zu retten. „White Zombie“ gilt als erster, wirklicher Zombiefilm und zählt heute zu den Kultfilmen dieses Genres.
Zwischen 1920 und 1966 entstanden rund 40 Filme, die sich mit der Zombiethematik beschäftigten. Die meisten davon wurden in den USA gedreht, nicht alle schafften es in die Kinos. Zombies waren in diesen Zeiten anders als heute, hoben sich aber auch stark von der willenlosen Kreatur in „White Zombie“ ab: Die Zombiethematik verschmolz mit Themen wie Untoten, Vampiren und Reinkarnation. In den meisten Filmen war der Voodoo-Kult die Wurzel allen Übels, auch wenn die wenigsten Filme auf Haiti spielten.

Menschenfressende Tote

1968 erschien „Die Nacht der lebenden Toten“ von Kultregisseur George A. Romero. Mit diesem Film wurde der Zombie erstmalig zu dem, der er heute ist: Der eigentlich Tote, der auferstanden ist und sich vom Fleisch lebender Menschen ernährt. Er stirbt nur, wenn sein Gehirn zerstört wird und der Voodoo-Kult spielt keine Rolle mehr. Der Zombie ab 1968 entsteht durch Verseuchung und Bakterien. Verseuchung und Zombiedasein wird übrigens auch als Folge von Radioaktivität dargestellt. Die aufkommende Furcht vor einem Atomkrieg spielte hier sicher mit ein und lieferte neue Ideen für das kreative Wirken der Regisseure, die sich diesem Genre verschrieben hatten.

Zwischen 1968 und 1977 schafften es erneut rund 40 Filme auf den Markt – nicht alle sind bekannt oder erwähnenswert. Interessant ist allerdings, dass nicht mehr alles wichtige Filmgeschehen aus den USA kam. Die Kultfilme um die „reitenden Leichen“ von Regisseur Amando de Ossorio waren spanisch-portugiesische Produktionen. Die „Geschichten aus der Gruft“ stammten aus England, aber auch Kanada, der asiatische Raum und Frankreich beschäftigten sich filmisch mit menschenfressenden Untoten. Erwähnenswert sind vor allem die Filme rund um die reitenden Leichen von Amando de Ossorio. Die Untoten in seinen Filmen wollen sich für ihre einstige Ermordung rächen. Die Filmreihe bestand aus insgesamt 4 Filmen. Den Auftakt machte „Die Nacht der reitenden Leichen“, der Film erschien 1971. Es folgte „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ im Jahre 1973. Im Jahr 1974 erschien „Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen“. Die Filmreihe endete 1975 mit dem „Blutgericht der reitenden Leichen“.

Die Thematik der Untoten stellt zwar ein weiteres Subgenre im Genre Horrorfilm dar: Da sich jedoch in den meisten Filmen die Themen mischen, ist eine eindeutige Klassifizierung nicht ohne weiteres möglich.

“Dawn of the Dead”

George A. Romero hat mit “Dawn of the Dead” einen Treffer im Zombiegenre gelandet und gilt schon seit seinem ersten Film als Begründer der Zombiefilm-Entwicklung. Die Fans der Zombiefilme sprechen bei diesem Film meist von den „Zombies im Kaufhaus“. Diesen Film, bei welchem Romero großzügige Unterstützung von Dario Argento erhielt, kennt jeder, der sich für Zombiefilme interessiert.

Der Film baut auf Romeros Film „Die Nacht der lebenden Toten“ auf. Nun sind ein paar Jahre vergangen und die Situation ist schlimmer denn je. Das Land wird von blutrünstigen Zombiehorden geplagt, das Kriegsrecht wird ausgerufen, jeder der stirbt, wird selbst zum Zombie. In Romeros Ansatz ist der Zombie nicht durch eine Seuche zum Zombie geworden, sondern weil in der Hölle kein Platz mehr ist. Aus diesem Grund kehrt jeder als Zombie zurück, der gestorben ist – auch wenn die Todesursache kein Zombiebiss war. Eine Gruppe von vier Menschen rettet sich in ein Kaufhaus und richtet sich dort häuslich ein. Zu Beginn können sie noch über den Fernseher und das Radio verfolgen wie die Menschheit weiterhin ausgerottet wird – irgendwann gibt es aber keine Signale mehr. Nachdem ein paar Monate später eine Rockerbande das Kaufhaus entdeckt und es überfällt, kommt es zu heftigen Kämpfen, zwei Menschen des Vierergespanns sterben und nur zwei, das Paar Francine und Peter, können fliehen. Doch welche Zukunft haben sie? Eigentlich keine – das wird mit der Schlusssequenz deutlich. Sie ist schwanger, der Tank des Hubschraubers, mit dem die beiden fliehen ist leer. Man fliegt dem neuen Morgen entgegen, wohl wissend, dass es keine Hoffnung gibt.

Zwischen 1978 und 1991 wurden mehr als fünfzig Filme gedreht, die sich auf unterschiedlichste Art mit der Zombiethematik auseinandersetzten. Zombies auf Inseln, Zombies unter Kannibalen – sogar Steven King beschäftigte sich mit ihnen in seinem Werk „Friedhof der Kuscheltiere“, wenn auch unter ganz anderen Gesichtspunkten. Hier geht es um eine heilige Stätte, in der jeder Tote, der dort begraben wird, wieder zum Leben erwacht. Der Preis, den die trauernden Hinterbliebenen für diese Rückkehr zahlen müssen, ist jedoch ungeheuer hoch.

„28 Days Later“ und „The Walking Dead“

In den mehr als hundert Zombiefilmen seit Beginn der erstmaligen Erwähnung eines Zombies in den Dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts, wurden mehrere hundert Filme gedreht. Nicht alle sind ernst gemeint, vor allem finden sich für das Zombiedasein die unterschiedlichsten Ursachen. In „28 Days later“ ist für die Verwandlung in Zombies wieder eine Seuche verantwortlich. In den Verfilmungen um das Videospiel „Resident Evil“ ist es ebenfalls eine Seuche, die allerdings von der Umbrella Corporation verursacht wurde. Eine Seuche liegt auch der erfolgreichen Serie „The Walking Dead“ zugrunde – woher sie allerdings kommt, weiß man bisher nicht so recht. Es bleibt abzuwarten, wohin sich dieses spannende Thema – und damit ein ganzes Genre – noch entwickeln wird.